Sozialpraktikum Rumänien 2018

Sozialpraktikum in Rumänien 2018

Die Waldorf-Stiftung unterstützte die 11. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule München-Daglfing bei ihrem sozialen Projekt in den Ostkarpaten

Die Initiative für dieses Sozialpraktikum ging von einigen Schülern und Schülerinnen der Klassen 11a und 11b aus, die schon im Herbst anmeldeten, dass sie das ,unvollendete Projekt‘ aus dem Schuljahr 2015/16 gerne fortsetzen würden. Schließlich waren es 20 Schülerinnen, die am 19. 5. in den Bus stiegen, der sie nach 25stündiger Fahrt nach Homorod Remete oder rumänisch Câlugâreni, einem kleinen Dorf in den Ostkarpaten brachte. Wo bitte? Ostkarpaten? Und warum dort?

Calugareni (rum.) oder Homorodremete (ungar.) ist ein kleines Dorf am Fuße eines Hochplateaus der Harghita-Berge, einem Teil der Karpaten, der als Naturreservat noch ein Rückzugsgebiet für Bären und Wölfen bietet. Die Bauernhöfe des Dorfes sind jedoch nur zum Teil noch bewohnt, denn unter Ceausescu wurde die Bevölkerung in die Städt zwangsabgezogen, um das Land zu industrialisieren. Heute wohnen dort nur 50 Menschen, darunter auch zwei junge Familien, die bewusst das einfache Landleben suchten und sich dort niederließen. Es sind Familien mit anthroposophischen Hintergrund. Die beiden Mütter wurden in Emerson College zu Waldorflehrerinnen ausgebildet. Sie unterrichten wegen der Abgelegenheit des Dorfes ihre Kinder zu Hause. Paul Harnischfeger hatte sie bei einer Fortbildung in Budapest kennengelernt und von ihrem Traum erfahren, dieses Dorf wieder ,zum Leben zu erwecken‘. Ein erster großer Schritt sollte die Renovierung des alten Schulgebäudes sein, das seit den 60er Jahren nicht mehr genutzt wurde.

Was war zu tun? Schon bei der ersten Fahrt vor zwei Jahren wurden die alten verrotteten Böden herausgerissen, eine Wand entfernt, die zerbrochenen Fenster abgeschliffen und eingelassen, der alten Putz innen und außen abgeschlagen, der Boden zum Teil neu betoniert. Schon damals konnten es die Menschen dort kaum fassen, was so eine Gruppe Waldorfschüler in zwei Wochen schaffen konnte. Jetzt war es höchste Zeit, das Werk fortzusetzen, sollte es nicht wieder dem Verfall anheim fallen.

Unsere Freunde im Dorf waren nicht untätig geblieben. Sie hatten einen Verein gegründet und Ziele festgelegt. Die Schule soll eines Tages wieder dem Unterricht dienen. Eine Wald- und Naturschule soll Klassen aus den Städten anlocken, die die Natur und das Landleben kennenlernen sollen. Inzwischen aber ist auch im nahegelegenen Städtchen Odorheiu ein Waldorfkindergarten entstanden, der nach einer Schule ruft. Wird es vielleicht auch der Anfang einer neuen Waldorfschule werden? Die Erzieherin dort träumt zumindest davon ....

Aber zurück zur Klasse. Die Schülerinnen waren im Dorf selber untergebracht und wohnten in einem renovierten Haus, das eine Familie zur Verfügung gestellt hatte. Eine kleinere Gruppe zeltete außerhalb des Dorfes. Die Begleiter (Herr Harnischfeger und seine Frau, Katja Krauß, in der ersten Woche und in der zweiten Herr Harnischfeger und Herr Meißner) wohnten bei einer der Familien. Gekocht wurde in einer provisorisch eingerichteten Küche gleich bei der Schule. Ennökö und Ema, zwei Frauen aus dem Nachbardorf,  sorgten mit viel Herz und Energie für opulente Frühstücke, Mittagessen und Abendessen.

Ja, und dann konnte es losgehen. Csaba und Hunor leiteten uns in allem Handwerklichen an, und so wurden in den morgendlichen Besprechungen die Aufgaben verteilt. Die acht Arbeitsstunden pro Tag waren voll ausgefüllt, zunächst mit dem Einsetzen der Fensterscheiben, mit dem Betonieren des Bodens, dem Feinverputzen der Innen- und Außenwände, später mit dem mehrmaligen Streichen sämtlicher Wände , dazu kamen unzählige Detailarbeiten wie Holzverkleidungen anbringen, Rohre für das Bad setzen, etc.
Bis zum letzten Tag wurde gearbeitet, vor allem noch an einem von den Schülern konzipierten Wandgemälde, das sich unsere Gastgeber gewünscht hatten. Dann aber gab es auch einige Schmankerl zur Belohnung. Mit vier Pferdefuhrwerken fuhren uns die Dörfler auf das Hochplateau, wo wir ein Picknick machten und den großartigen Blick über das Land genossen, ein Heidenspaß. Ebenso wie das Abschlussfest, bei dem eine Live-Band mit ungarischen Tänzen aufspielte, und alle, aber wirklich alle unter meisterlicher Anleitung an den Kreistänzen teilnahmen. Herr Gröbl, unser Mathe-Physik-Volkstanz-Lehrer, hätte seine helle Freude gehabt. Es wurden feierliche Reden gehalten, der Bürgermeister sprach, es wurden Urkunden verteilt, es wurde gefeiert , gegessen, gesungen und vor allem viel getanzt. Mit großem Staunen sahen die Besucher, dass die Schule außen in traditionellem Himmelblau erstrahlte und alles frisch und neu aussah. Viel Lob gab es für die engagierte Arbeit und ja, die Hoffnung, dass es weiter geht, vielleicht sogar eines Tages mit einer Waldorfschule.

Viele Umarmungen gab es zum Abschied. Um vier Uhr in der Nacht ging es dann an die Heimfahrt. Wir wussten schon was uns erwarten würde und schliefen nur wenig, denn wir hatten 26 Stunden dafür Zeit auf der Busfahrt nach München.

G. Meißner
P. Harnischfeger